Fragen & Antworten

Fragen & Antworten

Hier finden Sie Fragen und Antworten rund um das Thema Fließbohren:

  1. Wie funktioniert das Fließbohren?
  2. Was benötigt man zum Start?
  3. Aus welchem Material ist der Fließbohrer?
  4. Wann verwende ich einen kurzen und wann einen langen Fließbohrer?
  5. Wie finde ich den passenden Fließbohrer für meine Anwendung?
  6. In welchen Materialien kann gebohrt werden?
  7. Was ist die minimale und maximale Materialstärke?
  8. Wie viel beträgt die Standzeit des Fließbohrers?
  9. Welche Maschinenausrüstung und welche Antriebs- bzw. Motorleistung wird für das Fließbohren benötigt?
  10. Kann mit einer Handbohrmaschine gearbeitet werden?
  11. Kann mit einem Dreibackenfutter gearbeitet werden?
  12. Wie funktioniert das Gewindeformen und was sind die Vorteile?
  13. Wie belastbar sind die Glowdrill Gewindeverbindungen?
  14. Warum und wie häufig müssen Trenn- und Schmiermittel verwendet werden?
  15. Welche typischen Anwendungsmöglichkeiten gibt es für das Fließbohren?
  16. Argumente für den Einsatz von Glowdrill.

 

Falls Sie noch weitere Frage haben oder eine technische Beratung zum Fließbohreverfahren mit unseren Glowdrill Werkzeugen benötigen, können Sie uns per E-Mail unter info@glowdrill.com oder telefonisch unter +49 (0) 6205 2860930 erreichen.

Wir stehen Ihnen gerne beratend zur Verfügung!

 


1. Wie funktioniert das Fließbohren?

Fließbohren ist die spanlose Methode zur Erzeugung von Durchzügen. Dabei wird das Material nicht entfernt, sondern mittels Kraft und Reibungshitze verdrängt, wulstförmig aufgeworfen und zu einer Buchse ausgeformt. Die erzeugten stabilen Buchsen entstehen durch Materialverdrängung und nicht durch Abtragung. Diese homogene Verformung bewirkt nicht nur eine zusätzliche Materialfestigung, sondern auch eine erhebliche Zeit- und Materialersparnis. Die Form und der Durchmesser des entstandenen Durchzuges werden bestimmt durch die Abmessung des zylindrischen Teiles des Fließbohrers.


2. Was benötigt man zum Start?

Für problemloses Fließbohren ist es notwendig, dass der Fließbohrer zentrisch läuft. Dafür sollte er mittels einer Doppelkonus-Spannzange in einem Glowdrill Kühlfutter mit Lüftungsspeichen eingespannt werden. Somit wird eine gleichbleibende Werkzeugspannung garantiert. Die Lüftungsspeichen des Kühlfutters schützen die Maschinenspindel vor Überhitzung. Des Weiteren wird für das Fließbohren ein Trennmittel benötigt. Für Einsteiger empfehlen wir das Glowdrill Starter-KIT, welches eine Grundausrüstung für das Fließbohren enthält.


3. Aus welchem Material ist der Fließbohrer?

Der Glowdrill Fließbohrer wird aus speziell gesintertem hoch festem Hartmetall in Vollmaterial hergestellt. Das Material wird anschließend durch Schleifen zu einem Glowdrill Fließbohrer verarbeitet. Je nach Einsatzgebiet werden die Fließbohrer mit 3, 4 oder 6 Fassetten gefertigt.


4. Wann verwende ich einen kurzen und wann einen langen Fließbohrer?

Die länge des Fließbohrers hängt von der Stärke des zu bearbeitenden Materials und dem gewünschten Kernloch ab. Bei Rohrprofilen ist zu beachten, dass die Arbeitslänge des Fließbohrers nicht länger ist als deren lichte Weite. Nähere Informationen entnehmen Sie bitte unserem Glowdrill Katalog im Download Bereich. 


5. Wie finde ich den passenden Fließbohrer für meine Anwendung?

Die Auswahl des passenden Fließbohrers hängt zunächst davon ab welches Gewinde nachträglich erzeugt werden soll, d.h. metrisches Gewinde, metrisches Feingewinde oder Withworth-Rohrgewinde. Nach der Auswahl des gewünschten Gewindes kann anschließend mit Hilfe des Auswahlmenüs auf der jeweiligen Produktseite der passende Fließbohrer ganz einfach bestimmt werden. Dieses besteht aus vier Auswahlkriterien, welche sich auf die Ausführung des Fließbohrers (mit Kragen „Form“ oder ohne Kragen „Cut“), den Gewindenenndurchmesser (z.B. M8), das Gewindeverfahren (nachträgliches Gewindeformen oder Gewindeschneiden) und die Werkzeuglänge (lang oder kurz) beziehen.


6. In welchen Materialien kann gebohrt werden?

Für das Fließbohren sind grundsätzlich alle gängigen Materialien, wie schweißbare legierte und unlegierte Stähle, Edelstahl, VA-Materialien, Aluminium und deren Legierungen, Kupfer, Messing und Sonderlegierungen geeignet. Gut geeignet sind außerdem Rund- und Vierkantrohre, sowie Bleche.


7. Was ist die minimale und maximale Materialstärke?

Das Fließbohren kann ab einer minimalen Materialstärke von 0,5 mm erfolgen. Dies ist allerdings nur bei optimaler Unterfütterung möglich, da eine Gefahr der Durchbiegung des zu bearbeitenden Materials besteht. Hierfür kann eine Bohrschablone und/ oder ein Vorloch verwendet werden, um den Anpressdruck zu minimieren. Die maximale Materialstärke beträgt etwa 10 mm und mehr. Hierfür sind sehr hohe Motorleistungen erforderlich. Die häufigsten Anwendungen finden bei 1-3 mm Wandstärke statt. In vollem Material kann das Fließbohren nicht erfolgen. Es können nur Durchgangsbohrungen erzeugt werden.


8. Wie viel beträgt die Standzeit des Fließbohrers?

Die Standzeit eines Fließbohrers beträgt in Stahl ca. 3.000 Bohrungen, in Edelstahl 1.500 – 2.000 Bohrungen, in Aluminium ca. 1.000 Bohrungen und mehr. Bei optimaler CNC-Prozessführung sind ggfs. auch höhere Standzeiten zu erwarten.


9. Welche Maschinenausrüstung und welche Antriebs- bzw. Motorleistung wird für das Fließbohren benötigt?

Grundsätzlich kann das Fließbohren mit jeder Maschine erfolgen. Voraussetzung dafür ist, dass deren Dreheinheit die geforderte Drehzahl und deren Motor die geforderte kW-Leistung erbringt. Demnach kann mit Ständerbohrmaschinen, NC- oder CNC-Maschinen gearbeitet werden. Bsp.: In einem 2mm dicken Blech soll eine Buchse für ein Gewinde M8 erzeugt werden. Dafür benötigt man eine Maschine, die eine minimale Drehzahl von ca. 2100 U/min und eine Leistung von 1,5 kW erbringt.


10. Kann mit einer Handbohrmaschine gearbeitet werden?

In der Regel nein, da die erforderliche Drehzahl und Motorleistung von den meisten Handbohrmaschinen nicht erbracht wird. Durch die manuelle Führung besteht die Gefahr, dass der Fließbohrer verkantet und dadurch bricht. Außerdem kann die erforderliche Spannkraft nicht aufgebracht werden, wodurch sich das Werkzeug im Futter dreht und die Spannflächen zerstört.


11. Kann mit einem Dreibackenfutter gearbeitet werden?

Nein. Es besteht sonst die Gefahr, dass der Fließbohrer bricht und die Spindel in der Bohreinheit überhitzt wird.


12. Wie funktioniert das Gewindeformen und was sind die Vorteile?

Das Gewindeformen ist ein spanloses Verfahren. Der Gewindeformer drückt das Material der Buchse in die Gewindeflanken und bewirkt durch eine spanlose Kaltumformung eine Gefügeverdichtung. Dadurch wird eine sehr hohe Festigkeit des Gewindes, sowie eine exakte Gewindeführung erreicht. Für das Gewindeformen kann jede übliche Gewindeschneidvorrichtung verwendet werden. Es ist jedoch zu beachten, dass mit einer höheren Drehgeschwindigkeit (3- bis 10-fache Prozessgeschwindigkeit) gearbeitet wird. Beim Gewindeformen kann auch mit einer Handbohrmaschine gearbeitet werden. Diese sollte dabei über Rechts- oder Linkslauf und genügend Leistung verfügen. Die Vorteile des Gewindeformens sind u.a. die Erhöhung der Prozessgeschwindigkeit und der Standzeit, Erzeugung einer hoch belastbaren Verbindung und exakten Gewindeführung, sowie Erzielung einer Produktivitätssteigerung durch höhere Prozessgeschwindigkeit.


13. Wie belastbar sind die Glowdrill Gewindeverbindungen?

Schraubverbindungen, die anhand des Gewindeformens hergestellt werden, halten grundsätzlich hohen statischen und dynamischen Belastungen stand. Bei der spanlosen Buchsenfertigung kommt es zu einer Materialkaltverfestigung des zu bearbeitenden Werkstoffes. Das nachträglich kalt eingewalzte Gewinde verstärkt den Faserverlauf zusätzlich. Somit kommt es zur Erhöhung der Standzeit des Gewindes, sowie zur Erzielung einer exakten Gewindeführung.


14. Warum und wie häufig müssen Trenn- und Schmiermittel verwendet werden?

Anhand des geeigneten Trennmittels werden Materialaufschweißungen bzw. das Festsetzen des Werkstoffes am Fließbohrer vermieden. Da die Trennmittel hochhitzefest sind und auf die zu bearbeitenden Werkstoffe abgestimmt sind, wird die Standzeit der Werkzeuge wesentlich erhöht. Außerdem sorgt das Trennmittel für eine gute Oberflächenqualität der Buchse und des Kragens. Grundsätzlich sollte das Trennmittel regelmäßig auf den Fließbohrer aufgetragen werden. Wenn mit Stahl gearbeitet wird, sollte bei manueller Schmierung mindestens bei jeder 3. bis 4. Bohrung Trennmittel aufgetragen werden. Bei allen anderen Materialien sollte das Trennmittel vor jeder Bohrung dünn über die gesamte Länge des Fließbohrers aufgetragen werden. Bei vollautomatisierter Bearbeitung wird empfohlen vor jeder Bohrung das Trennmittel dünn aufzutragen. Hierfür empfehlen wir unser Glowdrill Pastensprühgerät. Dieses ist auf Anfrage erhältlich.


15. Welche typischen Anwendungsmöglichkeiten gibt es für das Fließbohren?

Das Fließbohren stellt eine zeit- und kostensparende Alternative zur z.B. Schweiß-, Press- und Nietmutter dar. Es bestehen viele Einsatzmöglichkeiten in der gesamten metallverarbeitenden Industrie. Typische Sektoren sind:

  • Automotive: Gewinde für Lambda-Sonde im Abgassystem, Lagerstelle für Kreuzgelenke
  • Stahlmöbel: Befestigung von Kunststoffrollen
  • Sanitär: Anschlüsse am Heizkreisverteilerbalken
  • Sprühanlagen: Gewinde zum Anschluss der Ventilkörper
  • Fassadenbau: Befestigung von Glashaltern, Handläufen und Griffen

16. Argumente für den Einsatz von Glowdrill. 

Es gibt viele Gründe für den Einsatz des Fließbohrverfahrens:

  • Es entstehen stabile Buchsen für die Aufnahme von Löt- und Schraubverbindungen
  • Spanlose Fertigungsmethode
  • Hohe Zeit- Arbeits- und Werkstoffeinsparung
  • Keine Einniet- und Anschweißmuttern erforderlich
  • Mehr Sicherheit durch homogene Verformung
  • Hohe Standzeiten
  • Hervorragende Oberflächenqualitäten
  • Keine Abfall- und Entsorgungskosten, weil spanloses Verfahren
  • Hohe Prozesssicherheit durch langlebige Werkzeuge aus Hartmetall

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